Investieren kann auch Hobby sein – Blogvorstellung Hobbyinvestor.de

Der_Hobbyinvestor

Zwei Mal in Folge war Hobbyinvestor Sebastian bereits in den FinanzblogWatch vertreten. Heute darf ich ihn nun auch in den Blogvorstellungen begrüßen. Im Interview sprechen wir über seinen Blog, über den Anteil seiner Mutter an seinem “Hobby” und darüber, warum er gerne auch mal etwas kritischere Töne beim Thema Geldanlage anschlägt.

Hallo Sebastian, stell dich den Lesern bitte kurz vor.

Moin Götz, erst mal vielen Dank für die Einladung zu diesem Interview. Ich heiße Sebastian und betreibe den Blog Der Hobbyinvestor. Ich bin 35 Jahre alt, verheiratet und frisch gebackener zweifach Papa.

Beruflich komme ich aus der Informatik/IT-Welt. Ich habe an der TU Darmstadt Informatik studiert und arbeite seither im SAP Portal Umfeld (Extranet / Intranet). Zu Beginn bin ich als Berater tätig gewesen und war viel in Deutschland und der Schweiz unterwegs. Seit knapp 7 Jahren bin ich aber nun schon im Norden Deutschlands sesshaft.

Wie bist du zum Thema Finanzen gekommen und warum bloggst du darüber?

Das Thema Finanzen kommt ganz klar von meiner Mutter. Irgendwann so 1987/1988 sollte mein Vater von seinem Arbeitgeber Aktien erhalten. Das hat er abends meiner Mutter erzählt und die beiden saßen dann da und hatten keine Ahnung, was Aktien sind und ob der Arbeitgeber es mit ihnen gut meint oder nicht.
Meine Mutter ging am nächsten Tag direkt zur Bank und wollte die Frage klären, was Aktien sind und was sie nun damit machen können. Der freundliche Berater sagte ihr sinngemäß, dass sie sich doch besser auf ihre Hausfrauentätigkeit, samt Kindererziehung, konzentrieren soll.
Noch auf dem Heimweg wurde das erste Börsenmagazin gekauft. Meine Mutter nahm die Herausforderung an, das wollte sie nicht auf sich sitzen lassen.

Ich erinnere mich noch sehr gut, wie wir unzählige Male beim Einkaufen oder von der Schule abholen, bei der Sparkasse hielten und sich meine Mutter Aktienkurse geben lies. Diese waren oft vom Vortag. Ich weiß noch, dass meine Mutter irgendwann eine Telefonnummer bekam, bei der sie Aktienkurse erfragen und Käufe/Verkäufe tätigen konnte, die Mitarbeiter in der Filiale hatten wohl keine Lust mehr. Wir bekamen dann sogar für unseren 386er (das war ein PC) einen BTX-Zugang. Meine Mutter hatte erfahren, dass man hier alleine, ohne Bank, Börsenkurse abfragen konnte, die nur wenige Stunden alt waren. Das war das Highlight. Ich weiß noch, wie meine Mutter sich ewig gefreut hatte, dass sie nun auch in der Lage war, alleine Aktien zu ordern oder wieder zu verkaufen. Das war damals wirklich ein Meilenstein. Das BTX (Bildschirmtext) war eine Art interaktiver Videotext. Das Internet, so wie wir es heute kennen, gab es damals noch nicht.

Die Börse wurde ein fester Bestandteil, auch wir Kinder bekamen Depots und durften Fonds und Aktien besparen. Das Ganze lief bis zum Crash im Jahr 2000 sehr erfolgreich. Meine Mutter stieg leider kurz vorher mit ihrem Kapital in den chinesischen Markt ein. Ich glaube, es war das Jahr des Drachen und die Börsengurus erwarteten einen stark wachsenden Markt.

Durch den Crash gab es auch Panikverkäufe. Hier wurde viel Kapital vernichtet. Danach ließ meine Mutter auch die Finger davon. Zum Glück liefen die Jahre davor sehr gut, sodass uns der Crash noch verhältnismäßig human erwischt hatte. Ich kann mich aber noch gut an die vielen Tränen meiner Mutter erinnern.

Ja, zu dem Thema könnte ich stundenlang erzählen. Leider ist meine Mutter 2011 nach schwerer Krankheit verstorben. Erst danach ging bei mir wieder das Thema Finanzen los. Heute beim Schreiben von dem einen oder anderen Artikel würde ich ja nur zu gerne mit meiner Mutter darüber diskutieren.
Meine Mutter hatte einige gute Ansätze, hat aber auch einige Fehler gemacht. Das wäre für mich heute, die ideale Informationsquelle. Ich finde es erstaunlich, wie sie sich damals in die ganzen Themen reingefuchst hat. Die Informationsvielfalt mit dem Internet gab es ja damals alles noch nicht. Heute informieren wir uns über Blogs, Podcasts, Youtube, das alles stand meiner Mutter noch gar nicht zur Verfügung. Sie musste sich alles Selbst erarbeiten.

Mit meinem Blog habe ich angefangen, weil ich das Thema P2P Kredite/Lending sehr interessant finde. Ich dachte, wenn ich darüber berichte kann ich andere vielleicht auch begeistert und in einen Erfahrungsaustausch kommen. Zudem bin ich der Meinung, dass die Crowd-Finanzierung erst in den Kinderschuhen steckt und noch eine steile Karriere vor sich haben wird.

Du berichtest auf deinem Blog über deine Erfahrungen mit P2P-Krediten und Crowdinvesting. Mit welcher Rendite kann man bei dieser Assetklasse rechnen und wie schätzt du das Risiko ein?

P2P Kredite bergen ein sehr hohes Risiko! Die ganze Branche ist noch relativ jung. Es gab noch keinen wirklichen Crash und damit liegen noch keine Erfahrungswerte vor, was nach einem Crash noch übrig bleibt.

Die Plattformen, in Osteuropa, sind nicht reguliert und unterliegen keiner Aufsicht. Das ist ganz wichtig zu wissen und das sollte jeder Investor auch wissen! Zudem ist die Buyback Garantie keine Garantie, sondern nur ein Versprechen. Das Versprechen ist auch nicht rückversichert. Erst, wenn ein Plattformbetreiber oder ein Kreditgeber pleitegeht wird sich zeigen, was dieses Buyback Versprechen Wert ist.

Die Rendite bei den P2P Krediten ist hoch, verglichen mit den aktuellen Tagesgeldzinsen sogar sehr hoch. Je nach Plattform und Strategie sind 11-14% realistisch. Ich liege aktuell gemittelt bei 11,51% (bin auf 5 Plattformen in Osteuropa aktiv).

Was kannst du Interessierten und Einsteigern empfehlen?

Direkte Plattform Empfehlungen gebe ich nicht. Wer meinen Blog verfolgt, weiß, von welchen Plattformen ich persönlich begeistert bin und welche mir gerade nicht so gefallen. Auch wenn ich mich vielleicht etwas intensiver mit der Materie beschäftige, weiß ich, dass ich nichts weiß. Deshalb halte ich mich mit Empfehlungen etwas zurück. Sicher ist nur: Hohe Renditen bedeuten immer hohes Risiko!

Ich will niemandem Angst machen aber das Risiko ist nun mal hoch. Fang bei der Plattform eures Vertrauens mit „Funny Money“ an. Setzt Geld ein, dass euch, bei Verlust, nicht weh tut. Sammelt selbst eigene Erfahrungen und macht dann einen Schritt nach dem anderen.

Bist du selbst ausschließlich in P2P Kredite investiert?

Nein!
Und das sollte auch NIEMAND tun. In dieser Assetklasse kann ein Totalausfall möglich sein. Daher rate ich jedem dringen ab, hier zu viel Geld zu investieren. Unter P2P Investoren hat sich die Faustformel 10-15% herauskristallisiert.

Meine persönliche Geldanlage basiert auf fünf Säulen. Ich habe dazu gerade den Artikel Geld anlegen ist wie Türmchen bauen veröffentlicht, der genau auf die Frage eingeht.

Ohne breite Diversifizierung und Rücklagen sollte man nicht in das P2P Thema einsteigen. Aber das Schöne ist, dass man auf vielen Plattformen mit sehr geringem Kapital starten kann. Auf den Buyback-Plattformen kann man bereits mit 100-200 Euro schon in 10-20 Kredite investieren und seine ersten Gehversuche starten. Damit ist die Einstiegshürde relativ niedrig.

Was wünscht du dir von den P2P Plattformen für die Zukunft?

Als Erstes hoffe ich, dass es keinen harten Crash geben wird.
Als Zweites würde ich mir wünschen, dass die Plattformen stärker überwacht und auch reguliert werden, siehe z.B. England.

Alleine Mintos hat aktuell 24 Kreditgeber angebunden. Wie soll ich, als Privatperson, bitte 24 Kreditgeber prüfen. Ich kann nur hoffen, dass hier kein schwarzes Schaf dabei ist und das Mintos bei der Prüfung große Sorgfalt walten lässt. Von daher würde ich mir ein unabhängiges Kontrollorgan wünschen.

Auch die Buyback-Garantie ist Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite kann man aktuell fast blind investieren. Ausfälle werden problemlos, samt Zinsen, erstattet. Aber fängt man an tiefer zu graben, erhält man nur Floskeln und wenig Konkretes, wie die Finanzierung hinter dem Buyback aussieht. Hier muss unbedingt mehr Transparenz geschaffen werden. Wenn eine Versicherung mir eine Leistung verspricht, ist dieses Versprechen rückversichert. Das würde ich mir von der Buyback Garantie auch wünschen, mehr Sicherheit.

Gibt es ein bestimmtes Ziel, das du mit deinen Investments verfolgst?

Langfristiger Vermögensaufbau.
Ich rede hier nicht von Millionen, sondern von realistischen Summen. Ich habe zwei kleine Kinder, bin momentan Alleinverdiener. Rücklagen bilden und zu investieren ist gut und wichtig. Aber man darf das Leben nicht vergessen. Ich habe letztens einen Artikel darüber geschrieben Sparen mit Kopf und Verstand. Hier habe ich ein paar sehr nette E-Mails erhalten. Eisernes Sparen ist mit Familie und kleinen Kindern schwer. Es ist wichtig unnötigen Konsum abzustellen, aber man muss auch mal die 5 grade sein lassen.

Ein schönes Ziel wäre natürlich, wenn ich mit 55 Jahren nur noch Teilzeit arbeiten müsste, weil meine passiven Erträge (Zinsen, Dividenden,…) das fehlende Einkommen ersetzen würden.
Auch möchte ich für meine beiden Jungs ein gutes Vorbild sein und ihnen möglichst eine gute finanzielle Bildung mitgeben. Der Staat hält das ja leider nicht für nötig.

Langfristiger Vermögensaufbau? Keine Finanzielle Freiheit?

Finanzielle Freiheit ist ein Buzzword. Damit lassen sich Bücher verkaufen und Klicks generieren.
Natürlich mag es Sparer geben, die dieses Ziel erreichen. Aber neben viel Disziplin, Entbehrung, einem guten Einkommen und Glück, müsste man wahrscheinlich auch kinderlos bleiben.

Ich habe nichts gegen mein Hamsterrad. Man kann auch ein Hamsterrad bequem einrichten. Lieber lebe ich jetzt zufrieden und glücklich in einem gewissen Rahmen und einem positiven Ausblick, als alles auf eine Karte zu setzen und asketisch durchs Leben gehen, in der Hoffnung, dass ich meine Ziele irgendwann mal erreiche. Dafür ist mir das Leben dann doch zu schade. Das Thema „Finanzielle Freiheit“ hat ja fast schon religiöse Züge angenommen.

Welche Schwerpunktthemen behandelst du sonst noch auf deinem Blog?

Mein Blog habe ich aus meinem Interesse an den P2P Kredite heraus gestartet.
Ich habe zudem angefangen über „Geld sparen“ bzw. den Vermögensaufbau zu schreiben. Ich versuche auch mit Artikeln wie, 5 Fragen für deinen Erfolg als Anleger etwas kritischere Töne zu vermitteln. Bevor man mit seinem Geld an die Börse geht, sollte man für sich selbst Sorgen. Absicherung, Vorsorge und Schuldenfreiheit sind für mich sehr wichtige Voraussetzungen. Die Schuldenfreiheit beziehe ich vor allem auf Konsumkredite. Auch ich bin mit meinem Haus nicht schuldenfrei.

Als dritter Block wird demnächst das Thema „Börse/Aktien“ kommen. Keine Sorge, ich werde nicht den 1458. Artikel über den MSCI World ETF schreiben und auch keinerlei Aktienempfehlungen geben. Hier wird es hin und wieder eher kritischere/kontroverse Artikel über die Börse geben. Das P2P Thema bleibt aber definitiv mein Kernthema.

Wie viel Zeit steckst du in den Blog und in welchen Abständen erscheinen neue Beiträge?

Bisher habe ich fast wöchentlich einen neuen Artikel geschrieben. Hier gehen meist 2-3 Abende pro Woche drauf. Mal schauen, wie ich das in Zukunft aufrechterhalten kann.

Und wie ist das allgemeine Feedback bisher?

Das Feedback in Wort und Schrift ist gering. Abgesehen von den Kommentaren, erreichen mich nur ein paar Mails im Monat. Die sind aber bisher durchweg positiv.

Ansonsten freuen mich die Besucherzahlen. In den ersten 5 Monaten habe ich eine stetige Steigerung erzielen können. Den Mai habe ich bereits mit 2500 Besuchern abschließen können. Am meisten freut mich, dass die durchschnittliche Besuchszeit bei knapp über 2 Minuten liegt, daraus entnehme ich, dass meine Artikel auch gelesen werden. Darüber freue ich mich am meisten.
An dieser Stelle auch ein großes Dankeschön an alle meine Leser.

Worauf können sich deine Leser zukünftig freuen?

Ich versuche meine Facebook Seite Der Hobbyinvestor auszubauen und würde mich sehr freuen hier Abonnenten und Likes zu generieren. Ich schaue regelmäßig die großen Zeitungen nach P2P und Crowdinvesting Themen durch und sammle diese auf meiner Facebookseite.

Zudem werde ich mehr kleiner News posten, für die sich eigenständige Blogartikel nicht lohnen. Wenn du über P2P Themen informiert bleiben möchtest, dann abonniere am besten meine Facebookseite. Ich hoffe, auch über Facebook in einen besseren Austausch mit meinen Lesern zu kommen.

Ich habe noch zwei weitere Projekte in der Planung. Wirklich spruchreif sind diese aber noch nicht. Ihr dürft gespannt sein.

Na das sind ja mal interessante Neuigkeiten. Sebastian, Danke für die spannenden Einblicke und weiterhin viel Erfolg mit deinem Blog und den geplanten Projekten!

Vielen Dank Götz für das Interview.



1 Kommentar zu "Investieren kann auch Hobby sein – Blogvorstellung Hobbyinvestor.de"

  1. Hey Sebastian,

    super Interview! Motiviert auf jeden Fall!!

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