Interview mit einem Voyeur – Blogvorstellung Finanzvoyeur.com

Finanzvoyeur

Neuer Monat, neue Blogvorstellung. Ich freue mich sehr, heute hier einen äußerst interessanten Newcomer begrüßen zu dürfen: Den Finanzvoyeur. Im Gegensatz zu anderen Finanzbloggern beginnt er gerade erst mit dem Vermögensaufbau und dokumentiert alle Fortschritte auf seinem Blog. Darüber wollte ich natürlich mehr wissen.

Hallo Finanzvoyeur, bitte stelle dich den Lesern kurz vor.

Hallo Götz und hallo an alle Leser! Ich bin Anfang 30, lebe seit einigen Jahren mit meiner Freundin zusammen und habe bisher ein ziemlich normales Konsumentenleben geführt. Nach dem Abitur folgte das Studium und darauf seit dreieinhalb Jahren das Arbeitnehmerleben. Generell neige ich zu Extremen, was sich vor allem zeigt, wenn ich mir neue Hobbys oder Interessen zulege. Meine Freundin sagt ich übertreibe immer sofort. Auch jetzt ist es wieder so. Kaum habe ich entdeckt, dass das Thema Finanzen mehr ist als nur Geld zu verdienen und wieder auszugeben, schon schreibe ich einen Blog darüber. Aber ich denke mir dieses Mal ist es eine positive Art der Übertreibung. Schließlich soll dieses Hobby dafür sorgen, dass ich mir in Zukunft um gar nichts anderes außer eben Hobbys Gedanken machen muss.

Laut eigener Aussage hast du die Welt der Finanzen erst seit kurzem für dich entdeckt. Was war der Anstoß und warum bist du bei dem Thema hängengeblieben?

So wirklich drauf hängengeblieben bin ich seit Dezember 2016. Das war der Monat in dem ich Mr. Money Mustache entdeckt hatte. Damit bin ich sicherlich nicht der Einzige, den MMM für die finanzielle Freiheit gewinnen konnte. Für den Anstoß an sich muss ich aber viel früher ansetzen und etwas ausholen.

Vor mehr als einem Jahr, so gegen Ende 2015 / Anfang 2016, bin ich spürbar unzufriedener mit meiner Gesamtsituation geworden. In meinem Job hatte sich die Routine eingestellt und es gab nicht mehr viel Neues zu entdecken. Die Arbeit nahm praktisch fünf von sieben Wochentagen ein und es blieb mir nicht viel Zeit für andere Dinge. Ich freute mich aufs Wochenende und auf meine Urlaubstage und habe angefangen Montage zu hassen. Ich war im typischen Arbeitsalltag angekommen und fühlte mich gefangen.

Mein chronisch leeres Konto konnte die Situation nicht verbessern. Ich dachte eigentlich immer, dass ich finanziell gut dastehe. Mein Gehalt war ordentlich für einen Berufseinsteiger und ich konnte mich auch nicht über zu niedrige Gehaltserhöhungen beklagen. Ich konnte mir immer kaufen worauf ich gerade Lust hatte und war sehr gut darin, mein Gehalt möglichst schnell auszugeben. Oft habe ich Dinge spontan gekauft, die ich im Nachhinein doch nicht hätte kaufen müssen. Vieles landete nach kurzem Gebrauch im Keller und wurde unter Fehlkäufen abgehakt.

Was ich damals noch nicht wusste ist, dass ich nicht nur im Arbeitsalltag gefangen war sondern mir ein wunderbares Hamsterrad geschaffen hatte. Mein Lebensstandard stieg analog zu meinem Gehalt und ich war auf mein Gehalt angewiesen. Wenn ich weiter so mit meinem Geld umging, würde sich das irgendwann rächen. Außerdem müsste ich immer weiter rennen, damit sich das Rad weiter dreht.

Mein Leben bewegte sich auf der Stelle. Arbeiten, schlafen, Geld ausgeben – immer im Kreis. Ich hatte keinen Antrieb und einfach keine Lust mehr, weil ich keine Ziele hatte, auf die ich mich hätte zubewegen können – ich war mitten in einer verfrühten Mid-Life-Crisis. Ich fasste den Entschluss etwas zu ändern und überlegte mir vier Punkte:

  1. Ich wollte mich für meinen Job weiterbilden, um mein Aufgabenfeld selbstständig zu erweitern und wieder neue Motivation zu finden.
  2. Schon seit längerer Zeit spielte ich mit dem Gedanken, mir eine Wohnung zur Vermietung zu kaufen. Ich hatte noch den Großteil meines Jahresbonus übrig und nahm mir vor, diesen noch vor meinem 30. Geburtstag zu investieren.
  3. Ich musste meine Finanzen in den Griff bekommen und vor allem länger über Ausgaben nachdenken, damit ich mehr Geld zu Verfügung habe und auch mal etwas zurücklegen kann.
  4. Ich brauchte ein großes übergeordnetes Ziel, auf das ich in meinem Leben hinarbeiten kann.

Die Weiterbildung habe ich angefangen, die Wohnung habe ich gekauft. Für Punkt Nummer 3 fing ich an meine Ausgaben grob in Excel zu verfolgen. Ich war geschockt, als ich einmal über Monate zurück meine Ausgaben aus meinem Kontoauszug aufschrieb und in Kategorien packte. Ich habe mein Geld die ganze Zeit mit beiden Händen zum Fenster rausgeworfen. Auf der Suche nach Lösungen stieß ich dann erst auf den Finanzwesir und später auf Mr. Money Mustache. Das hat mein Leben komplett verändert. Meine Konsumsucht und die Abhängigkeit von meinem Job wurden mir vor Augen geführt. Die Finanzielle Freiheit drängte sich mir geradezu als großes übergeordnetes Ziel auf. Je mehr ich darüber las, desto mehr war ich davon überzeugt den für mich richtigen Weg gefunden zu haben.

Welche Änderungen in Bezug auf deine persönlichen Finanzen hast du seitdem unternommen und wie hat sich dein Leben dadurch verändert?

Die größte Veränderung war das sehr genaue Verfolgen meiner Finanzen in Excel. Aus einer anfänglichen einfachen Liste meiner Fixkosten ist mittlerweile eine sehr detaillierte Übersicht meiner Einnahmen, Ausgaben und Investitionen geworden. Ich verfolge jeden einzelnen Euro auf seinem Weg über meine Konten und Depots und habe viele Darstellungsmöglichkeiten integriert. Mich motiviert es sehr zu sehen wie Kosten sinken, Einnahmen steigen und meine Investments sich entwickeln. Ich würde jedem, der Probleme mit seinen Finanzen hat, empfehlen sich als aller erstes einen Überblick zu verschaffen. Das ist die Grundlage für alles Weitere. Wer sich einmal anschauen möchte, wie ich das Ganze darstelle: Ich habe gerade erst meine Einnahmen und Ausgaben für April veröffentlicht.

Durch diesen Überblick und die vielen Blogartikel und Bücher, die ich in den letzten Monaten gelesen habe, hat sich mein ganzes Verhältnis zu Geld geändert. Ich hinterfrage jede Ausgabe und konnte dadurch meine Sparquote in nur 4 Monaten von praktisch 0% auf 35% erhöhen. Anstatt das Geld mit beiden Händen zum Fenster rauszuwerfen, schaufle ich es nun mit beiden Händen auf mein Depot. Ich weiß, dass mich das langfristig glücklicher machen wird. Denn es wird mir ermöglichen, mich in absehbarer Zeit voll auf das konzentrieren zu können, was mich glücklich macht. Was das genau ist, weiß ich noch nicht. Aber ich stehe auch noch komplett am Anfang und habe Zeit mich auf die Suche zu begeben. Ich habe angefangen über größere Ziele nachzudenken, die ich angehen kann wenn ich nicht mehr auf das Einkommen eines Jobs angewiesen bin. Das motiviert mich sehr. Ich strenge mich auf der Arbeit wieder mehr an, um mein Einkommen daraus zu erhöhen. Ich habe Videospiele gegen das Lernen von Investmentstrategien und Blogartikel schreiben getauscht. Ich merke, wie ich mich zum Positiven ändere und mit kleinen Schritten auf ein Ziel zugehe, anstatt mich im Kreis zu bewegen.

Und warum hast du angefangen, darüber zu bloggen?

Ich muss zugeben, dass mir die Idee das erste Mal kam, als ich gelesen hatte wie viel Geld manche Blogger durch ihren Blog einnehmen. Ich habe allerdings noch nie besonders gerne geschrieben. Ich habe nie Tagebuch geführt, schreibe keine (persönlichen) Briefe und tue mich sogar mit den Urlaubspostkarten an die Oma schwer. Daher konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich mit Schreiben jemals erfolgreich sein könnte und habe versucht die Idee zu verwerfen. Sie lies mich aber nicht los und kam immer wieder. Allerdings nicht mehr der Verdienstmöglichkeiten wegen, sondern weil ich angefangen habe die Vorteile eines Blogs als persönlichen Kontrollmechanismus zu sehen.

Ich führe zwar ausführliche Excel-Tabellen über meine Finanzen, aber wer kontrolliert mich? In der Vergangenheit war ich alles andere als diszipliniert beim Sparen. Geld auf dem Sparkonto wurde sehr schnell wieder zurückgeholt, um es dann doch spontan für irgendetwas auszugeben. Auch war ich in meinen Interessen schon immer sehr spontan. Was mich heute begeistert hat, konnte ich morgen einfach liegen lassen und nie wieder zurückblicken. Sich ein Vermögen aufzubauen erfordert nun mal sehr viel Disziplin, daher brauche ich viel langfristige Motivation, um mich auch an meine Pläne zu halten.

So habe ich dann schließlich beschlossen einen Blog zu starten. Mittlerweile habe ich noch etliche andere Vorteile entdeckt. Durch das Artikelschreiben kann ich mein Finanzwissen im jeweiligen Bereich vertiefen, indem ich mich intensiv mit den Themen befasse über die ich schreibe. Weiterhin denke ich, dass es dringend notwendig ist mehr Menschen finanziell zu bilden. Ich möchte dazu beitragen, mein Wissen weitergeben und Menschen helfen, die sich in einer ähnlichen Ausgangslage befinden wie ich.

Du hast einen recht ungewöhnlichen Namen für deinen Blog gewählt. War keine andere Domain mehr frei oder was hat es damit auf sich? Gibt es eventuell sogar eine lustige Story dazu, die du erzählen möchtest?

Ursprünglich wollte ich den Blog “Von Null Auf Frei” nennen. Der Blog ist ja, mit leichter Verzögerung, zur selben Zeit gestartet wie meine Reise zur Finanziellen Freiheit – bei einem Kontostand von Null. Die Idee zum letztendlichen Namen kam mir beim Schreiben des Artikels “Warum ich blogge”. Als Konzept meines Blogs wollte ich den Fokus auf meine echten Finanzen legen und detaillierte echte Zahlen veröffentlichen. Ich selber liebe Blogs, die das machen. Leider habe ich noch keinen einzigen gefunden, der es in der Detailtiefe macht, in der ich es gerne sehen würde. Ich kam dann darauf, dass mein Bedürfnis nach dem Blick auf die Konten anderer im Prinzip eine Art Finanzvoyeurismus ist. So war dann der Name geboren.

Es gibt ja meistens einen bestimmten Bereich auf den sich ein Finanzblogger konzentriert. Worum geht es bei dir schwerpunktmäßig und wen möchtest du mit deiner Seite erreichen?

Bei mir ist der Name Programm. Wie ich schon erwähnte, liebe ich den Blick in die Finanzen der Anderen. Mein Schwerpunkt wird es sein, meinen Lesern diesen Blick in meine Finanzen zu ermöglichen. Da ich erst vor wenigen Monaten angefangen habe mich für mein Geld zu interessieren, bin ich denke ich in einer Position, in der sich vor allem viele Neulinge in Sachen Finanzielle Freiheit befinden. Die ganzen Theorien und Konzepte rund um Finanzielle Freiheit sind auf dutzenden deutschen und hunderten englischen Seiten bereits aufs Ausführlichste beschrieben. Wie man diese dann aber konkret an seinen persönlichen Finanzen anwendet fehlte mir oft. Sicherlich geben auch andere Blogger Beispiele, aber die meisten sind ganz einfach schon sehr viel weiter auf ihrem Weg und es ist dann schwierig sich als Anfänger mit ihnen zu identifizieren.

Neben reinen Zahlen und dem Anwenden von Konzepten mit mir als Versuchsperson, werde ich zu allem etwas schreiben, was mir einfällt. Sicherlich wird es auch Theorie bei mir geben. Finanzen sind schließlich sehr subjektiv und man kann selten einfach Konzepte kopieren, sondern muss sie auf sich anpassen und sich eine Meinung darüber bilden. Weiterhin bin ich ein Excel-Junkie und plane einige meiner Tabellen und Graphen online zu stellen, gerade um Anfängern den Weg zu erleichtern.

In erster Linie richtet sich mein Blog also an diejenigen, die sich in einer ähnlichen Phase wie ich selbst befinden. Die Idee Finanzielle Freiheit ist in Deutschland ja noch komplett neu. Zwar gibt es einzelne Veteranen, aber ich denke doch, dass die große Masse erst noch kommen wird. Ich denke also, dass meine Zielgruppe recht groß sein könnte. Jemand der bereits in finanzieller Freiheit lebt, wird wahrscheinlich, zumindest in der Anfangsphase des Blogs, nicht den meisten Nutzen aus meinen Beiträgen ziehen können. Das wird sich sicherlich mit der Zeit ändern, denn auch ich werde nicht ewig in der Anfängerphase bleiben. Ich plane wirklich Gas zu geben und werde sicherlich den ein oder anderen überholen können 😉

Viele Blogger geben nach kurzer Zeit wieder auf, weil sie ihr Themenspektrum abgearbeitet haben und ihnen der Stoff ausgeht. Hast du genügend Ideen um längerfristig zu bloggen und worauf dürfen sich deine Leser zukünftig freuen?

Natürlich kann ich jetzt nicht sagen, dass ich in zwei oder fünf oder zehn Jahren noch jede Menge Stoff haben werde. Man kann nie wissen, was die Zukunft genau bringt. Jetzt gerade habe ich aber mehr als 35 Entwürfe für Beiträge und mir fallen fast jeden Tag neue Themen ein. Ich überschlage mich geradezu mit Ideen und würde am liebsten an 10 Beiträgen gleichzeitig schreiben. Noch ist das Tempo auf meinem Blog auch dementsprechend hoch. In Zukunft möchte ich mich bei zwei Beiträgen pro Woche an festen Tagen einpendeln. Damit möchte ich Regelmäßigkeit und Routine reinbekommen. Ich finde regelmäßiges Posten von Beiträgen sehr wichtig, als Leser wie als Autor.

Es wird mehrere Beitragsserien geben, in denen man den Verlauf meiner Finanzen genau beobachten kann. Dazu zählen die bereits angefangenen Reihen über meine Einnahmen & Ausgaben sowie über meinen Net Worth. Ich werde auch über alle meine Investitionen berichten. Letztes Jahr habe ich ja eine Wohnung gekauft, die ich nun vermiete. Darüber werde ich noch den ein oder anderen Beitrag schreiben und es wird auch sicherlich nicht meine letzte Immobilie gewesen sein. Vor kurzem habe ich dann einen (für mich) größeren Betrag in kanadische Cannabis Produzenten investiert. In den nächsten Monaten plane ich mit dem Optionsverkauf anzufangen und mir ein Dividendenportfolio aufzubauen. Vor allem bei Optionen fange ich bei einem Kenntnisstand von Null an. Gerne werde ich davon berichten, wie ich mich an das Thema heranwage und meine ersten Gehversuche mache. Zu guter Letzt habe ich eine Menge an Excel-Tools, die ich zeigen und zum Teil auch zur Verfügung stellen möchte. Ich habe sehr viel Spaß an verschiedenen Arten meine Finanzen zu tracken und freue mich schon darauf mir schöne Tools zu basteln und sie zu zeigen. Wie du siehst habe ich also eine Menge in Planung.

Und wie ist das Feedback bisher?

Bisher habe ich nur positives Feedback bekommen. Natürlich befinde ich mich noch in der sehr frühen Anfangsphase und habe noch nicht viele Leser, dafür kamen aber schon mehr Rückmeldungen und Kommentare als ich erwartet habe. Von daher bin ich bisher sehr zufrieden. Ich hoffe, dass ich möglichst viele Menschen mit meinen Sichtweisen und meiner Detailtiefe was meine Finanzen angeht begeistern kann.

Bei allem was ich bisher von dir lesen konnte, habe ich da keine Bedenken. Danke für die spannenden Einblicke und viel Erfolg!

Danke dir für das Interview! Ich wünsche dir ebenfalls weiterhin viel Erfolg mit deiner Seite.




2 Kommentare zu "Interview mit einem Voyeur – Blogvorstellung Finanzvoyeur.com"

  1. Hallo Finanzvoyeur, hallo Götz,

    erneut ein interessantes Interview, vielen Dank. Ich denke, gerade von den Seiten, die über den Start in die Finanzielle Unabhängigkeit berichten und auch ihre Zahlen offen legen, werden viele Leser profitieren können.

    Eine kleine Anmerkung am Rande:

    “Die Finanzielle Freiheit drängte sich mir geradezu als großes übergeordnetes Ziel auf”

    Für mich ist die Finanzielle Freiheit Mittel zum Zweck. Nicht jedoch eine Art Lebensziel. Sonst geht es einem im schlimmsten wie einem Lotto-Millionär. Nicht mehr arbeiten müssen, Job gekündigt und dann die große Leere mit allen Dummheiten, die daraufhin folgen.

    Euch beiden weiterhin viel Erfolg mit euren Blogs und Gruß!

    Torsten

    • Finanzblognews | 20. Mai 2017 um 17:20 | Antworten

      Hallo Torsten,

      schön, dass du mal wieder vorbeigeschaut hast.
      Wie läuft’s mit dem Aktienfinder?

      Dem Finanzvojeur habe ich bescheid gesagt. Er wird sich hoffentlich zeitnah melden.

      Viele Grüße
      Götz

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